Unterschleißheim | Im Auftrag des Weltfriedens?

Der Name der Firma klingt international, üblich und sehr unverdächtig – und vielleicht soll es auch genau das sein: Cassidian ist einer der größten Rüstungs- und Sicherheitsfirmen in Europa, ein Ableger der EADS.

Man beachte die Bilder auf dem Videowürfel

Nationale Sicherheit, Einsatz von privaten militärischen Truppen im Kriegs-Ausland, Cybersecurity und alles, womit man viel Geld im Hinter- und Untergrund verdienen kann, das sind die Kernkompetenzen dieses Unternehmens, das in Unterschleißheim bei München seinen Sitz hat.
Seit 2 Tagen wird hier von 7.30 Uhr bis 18 Uhr durchgehend in einer dunklen Halle den anwesenden 512 “Sales”-Mitarbeitern mit trockenen, schwarz-weißen Powerpoint-Folien die Anwesenheit “versüßt”.
Stundenlang müssen die hier ruhig und ohne aktive Beteiligung ellenlange Monologe einzelner Redner ertragen, oder – wie auf einer Messe – eine Produktvorstellung über sich ergehen lassen. Nur selten wird das ganze Gerede durch einen 30sekündigen Film unterbrochen, der nochmals den neusten Eurofighter, die allwissende Netzmacht oder die Zusammenhänge zwischen Piraten vor Somalia und der Nahost-Region aufzeigt.
Natürlich alles zu 100% in Fach-Englisch.
Einizg lustige Aktion war der Auftritt eines ehemaligen Football-Spielers, der etwas zum Team-Gefüge referierte, um am Ende seines Vortrags den bei Football-Mannschaften üblichen Aufputsch-Kampfschrei vorzuführen – zusammen mit 30 Mitarbeitern machte er die lustigsten Bewegungen und Laute. Sehr amüsant.

Der Friedefuchs kann diese Veranstaltung, die wir mit 4 Kameras für die Hallen-Leinwand produzieren, aus ethischen Gründen nicht unterstützen und tritt ab sofort noch verstärkter für den Weltfrieden ein! :-)

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Sonnenschein in Cortina

Das beeindruckende Panorama von Cortina d'Ampezzo

Schöner könnte es kaum sein: wir sind in Cortina d’Ampezzo, dem italienischen Wintersport-Ort in den Dolomiten, olympischer Austragungsort von 1956.
Wieder eine echte Wintersport-Produktion, nur dass wir diesmal mit den bitteren Erfahrungen, die wir in Courchevel (siehe vorangegangene Blog-Einträge) gesammelt hatten, um Längen besser vorbereitet waren. Aber auch auf das schlimmste – nämlich das Courchevel-Szenario – eingerichtet waren.
Aber so dramatisch sollte es diesmal nicht kommen. Wir können hier den Tage bei -2 Grad, stahlblauem und wolkenlosem Himmel und perfekter Sonne genießen: Wintersport-Traum!

Der heutige Sendetag bescherte uns ein frühes Arbeitsende, so dass wir um halb 3 bei schönstem Wetter schon Richtung Seilbahn ausmachten, um von 1200m (Cortina Downtown) auf 2450m (Cortina de Valse) hinauszufahren und das tolle Panorama der Dolomiten zu genießen.
Ein Großteil der Redaktion und auch einige vom unserem Technikteam haben den Nachmittag auf der Piste verbracht. Was für ein toller Tag :-)

Unser Studio-Set im Zielsack der Weltcup-Strecke

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Courchevel | Nicht lustig!

Die Schneemassen zwischen den Ü-Wagen

Wie angekündigt, hat es über Nacht dann doch 80cm Neuschnee gegeben, der Hotel Shuttel brachte uns aber sicher an den TV Compound. (Es sollte der vorerst letzte Shuttel überhaupt für uns gewesen sein… zum Glück wussten wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht). Der TV Compound versank an diesem Morgen förmlich im Schnee.

Unsere Produktionsfahrzeuge mussten wir von einer meterhohen Schneeschicht befreien und uns zu den Türen graben. Ein Kollege frotzelte, ob wir nicht schon ein Iglu für unsere XKT (Außensteckfeld) gebaut hätten.

Den ganzen Tag schneite es weiter, wobei es komischerweise unangenehm warm (es taute leicht an) und unglaublich nass wurde. Am Ende waren alle bis auf die Haut (!) nass – und das ist im Winter bei eisigen Temperaturen abends nicht spaßig. Auch der “Presenter”-Aufbau am Ende des Zielsacks war kein Zuckerschlecken, im Schneesturm schwere Technik durch die Gegend zu schleppen, alles ist klatschnass und ordentlich geprobt soll auch noch werden. Das war alles heute nicht lustig.

Mitten im nasskalten Schneesturm: Aufbau vom Presenter-Platz

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Courchevel | Schnee??

Wo liegt Courchevel? Die Geologen unter uns werden sofort mit dem Finger auf einen unbedeutenden Punkt südöstlich von Genf (Schweiz), aber nordwestlich von Turin (Italien) zeigen und sagen: genau hier, mitten in den Alpen auf 1850m Höhe im schönen Frankreich.

Laut Lufthansa-Magazin sind wir hier im größten Skigebiet Europas mit 600km Piste, aber auf der Herfahrt konnten wir bis 12km vor Courchevel das alles so nicht glauben. Überall nur Regen, karge Landschaft, und es war dunkel. Aber dann: als die Wegweiser nur noch 10km angekündigt hatten, wurde es weiß, mit jedem Fahrmeter mehr.

Warten auf die Pizza - mit der Rheumadecke aufm Schoß

Inzwischen kann ich sagen: ja, hier oben liegt richtig viel Schnee und es ist gut kalt.
Mit unserem ersten Abendessen beglückten wir einen der vielen Pizzerien des Ortes, wir saßen draußen (!) unter Heizstrahlen, aber mit Rheumadecken :-)

In der Nacht hat es angefangen zu schneien – und das tut es nun schon 24 Stunden lang. Für die nächsten 48h haben sie 1m Neuschnee vorhergesagt. Das kann ja lustig werden.

Nun ist es nicht so, dass der TV Compound direkt neben unserem Hotel ist. Das wäre ja zu einfach. Und es wäre auch zu einfach, wenn wir mit dem geplanten VW-Bus hierher angereist wären. Aber der fiel wegen defekter Lenkung vor Abfahrt leider aus. Beherzt griff man zum Hörer und organsisierte Hals über Kopf einen Europcar-Ersatzwagen. Nun ja, wo wollten wir doch gleich hinfahren? In die Alpen? Auf 1850m Höhe, in den Schnee? Ja, genau. – Und was brauchen Sie? – Winterreifen sind hoffentlich drauf, und Schneeketten? – Es sind M+S-Reifen drauf (oh nein) und Schneeketten haben wir keine! (oh NEEEIINNN!)

Nun sitzen wir hier im Tiefschnee, mussten eben bei der Rückkehr zum Hotel das Leihauto weiter unten stehen lassen, weil das viele Anschieben irgendwann keinen Sinn mehr machte! Der Europcar-Opel ist jetzt von uns für die nächsten Tage leider außer Betrieb genommen worden. Damit kommen wir keinen Meter mehr weit. Und es waren lustige Szenen, die sich da beim Hochfahren abspielten:
zuerst haben wir alle schweren Leute auf die vorderste Sitzbank gesetzt, leichte nach hinten. Und dann musste doch angeschoben werden: und plötzlich fährt es sich ganz gut hoch, da springen alle durch die offenen Seitentüren in das Auto wieder rein. 6 Mann!! Das war eine Gaudi.

Wie durch ein Wunder bietet das Hotel einen Shuttle für morgen früh an. Aber mit einer kleinen Falte auf der Stirn, als der Portier sagt: maybe the road will be closed tomorrow morning. Then we can’t offer a shuttle. But we’ll try.

Es bleibt spannend – in Erwartung von einem Meter Neuschnee!

Mond über den Gipfeln von Courchevel

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Köln | Ich liebe Deutschland

Aaahh – in Zeiten, in denen Plagiate Hochkonjunktur haben und “Copy and Paste” in diesem Zusammenhang ganz neue Bedeutung bekommt, sitze ich in Köln in einem großen gut gekühlten TV-Studio. Copy and Paste wurde auch hier angewendet, als es um die Idee und das Konzept der neuen Sendung ging, die ab Mitte Juli auf Sat1 laufen soll:
das Konzept kommt – na klar – aus Holland, wurde inzwischen in 11 Länder verkauft und soll jetzt auch in unserem Land für Erfolg sorgen. Passend dazu der Sende-Titel: Ich liebe Deutschland.
Zwei Promi-Teams (vermeintliche Promis) kämpfen sich durch verschiedliche Fragerunden – das Publikum ist geteilt und ebenfalls je einem Team zugeordnet. Alles irgendwie nicht wirklich neu, aber dank des Moderators und des Gesamtkonzepts könnte die Sendung funktionieren. Mal sehen.

Was ich hier mache? Tja, große Überraschung! Streng geheim. Nur soviel kann ich verraten:
ich betreue und bediene eine kleine ferngesteuerte Kamera, die bei einem der Spiele in der Mitte eines Tischs eingebaut ist. Auf diesem Tisch liegt – weil es die Innenrequisite so will – eine Tischdecke. Nun – tut mir leid um die schöne von Oma gestrickte Tischdecke, aber wie man auf dem Foto sieht: sie musste leider dran glauben. Erbarmungslos kam ein Loch in die Decke rein, damit meine kleine Kamera (für die wir auch schon den Tisch zersägen mussten) auch freie Sicht hat.

Bin jetzt sechs Tage in Köln, meine Kamera kommt jeden Abend für 5 Minuten zum Einsatz ;-) Da drehe ich mich 2x im Kreis, wenn die Promis um den Tisch herum sitzen und schon wars das wieder – das ist Fernsehen!

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Dover-Calais | Über den Kanal

Nachdem das verregnete England alles aus den Wolken rausgelassen hat, was drin war, (und sowas macht beim Abbau keinen Spaß, hunderte Meter völlig durchnässte und verdreckte Kabel durch die Hand zu ziehen), setzten wir uns mit den Ü-Wagen auf der M1 Richtung Küste in Bewegeung.
Auch diesmal habe ich für die voruns liegende Fahrt von Silverstone nach Dover und am nächste Tag von Calais nach Mainz ein Hörbuch vorbereitet – eine sehr gute Entscheidung, denn die rund 900km ließen eine entsprechend lange LKW-Fahrt erahnen: insgesamt waren wir 17 Stunden unterwegs.

Unsere erste Station war der Hafen von Dover, von wo aus unsere Fähre um Mitternacht zum französischen Calais übersetzen sollte.
Die beiden Ü-Wagen standen brav im Bauch des Schiffes, während mein Fahrer-Kollege schon die ganze Zeit von der “Trucker-Lounge” schwärmte!
Aaaahhha- die “Trucker-Lounge” – was muss ich mir darunter vorstellen? Lauter verschwitzte LKW-Fahrer im Unterhemd und Sandalen, die sinnentleert auf einer Couch sitzen und auf einen TV-Bildschirm starren?

Die "Trucker-Lounge" heißt hier nettklingend: Commercial Drivers

Nein, weit gefehlt. Na ja – soweit nun auch wieder nicht :-)
Die ominöse Truckerlounge nennt sich innerhalb der Fähre “Commercial Drivers” – es ist eine Art heruntergekommene Kantine mit günstigem Essen – das ist aber auch schon alles. Ok, es gab um Mitternacht tatsächlich nochmal warmes Essen, ja auch in der Tat günstig, aber der Rest…?!? Nein – ich will nicht auf abgewrackten Sitzen sitzen, unfreundlicher Bedienung, kalter 70er Einrichtung und Beleuchtung und vorbeischlurfende Trucker.

Die 1,5h dauernde Überfahrt haben wir dann doch lieber zum Großteil an der nächtlichen frischen Ärmelkanal-Lust verbracht – innerhalb weniger Minuten haben die Lippen nach Salz geschmeckt! Das liebe ich! Und ich habe für ein paar Minuten vergessen, dass ich commercial driver bin :-)

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Silverstone | Regen

Es ist ein Wochenende, das den englischen Vorurteilen alle Ehre macht: es regnet durch und durch.

Jan und ich in der Bildtechnik vom Ü1

Hier am Motorsport-Ring in Silverstone sind alle Schleusen des Himmels geöffnet, passend zum Abbau – ganz hervorragend.

Jan und ich haben im Ü-Wagen trotzdem unseren Spaß, wir freuen uns über die trotzdem entspannte Produktion, wir konnten abends mehrfach sehr gut indisch (ja, indisch in England) essen gehen! Dort wird die Crew heute abend sogar noch ein drittes Mal hingehen.

Für Sport1 machen die 5 Tage richtig Laune, die Redaktion ist immer die gleiche, so kommt direkt etwas Familienatmosphäre auf, ohne dann Lagerkoller entsteht. Nachher steht die Rückfahrt mit dem Schnittmobil Richtung Heimat an, über die Fähre Dover-Calais…

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Estoril | Blitzartig

Plötzlich zieht der Himmer über Estoril zu, der Nieselregen wird schlagartig zu einem dichten Sturzbach. Dazu grollt es erst im Hintergrund und dann schlägt es ohne Vorwarnung mit einem ohrenbetäubendem Donner und gleichzeitigem taghellem Schein ein Blitz direkt an der Strecke ein, rund 100m von unserem Ü-Wagen entfernt.
Unsere Monitore fallen kurz aus, im Prod.-Büro fällt der Strom aus. Ansonsten kommen wir unbeschadet durch das Gewitter.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass der Blitz direkt auf die Rennstrecke eingeschlagen hat, während gleichzeitig mehrere Rennfahrer unterwegs waren. Einer von ihnen wurde von einem leichten Blitz getroffen, ihm ist aber nichts passiert.
Dem Host-Üwagen sind allerdings durch den Blitzeinschlag 8 Kameras gestorben – und wir bekommen das folgende Bild zugespielt, das belegt, wie der Blitz beim laufenden Rennen in die Fahrbahn einschlägt.
Zum Glück ist hier nicht mehr passiert!

Blitzeinschlag während des Rennens

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Estoril | Pitwalk

Am Tag vor einem Rennen gibt es immer einen sogenannten Pitwalk. Dabei können alle Zuschauer, wenn sie wollen, durch die Pitlane laufen. Dort sind die Boxen der Rennställe, man kann Fahrer und Fahrzeuge begutachten und die Stars aus der Nähe bestaunen.

Wir sind hier in Portugal, an der Atlantikküste, beim frühsommerlichen Temperatuen. Ja, klar, wir müssen hier noch ein bisschen produzieren nebenbei, aber manchem hier in Ü-Wagen oder an der Kamera fällt es angesichts dieser Bilder schwer, sich zu konzentrieren. :-)

Die Gridgirls von Estoril

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Estoril | Fish’n'Chips

Direkt am Strand gelegen, laden hier viele Restaurants zu leckeren Fisch-Speisen an. Je nach Klasse der Lokalität kann es vorkommen, dass die “Starters” leckerer sind, als die eigentlichen Hauptspeisen. Hier ist es üblich, dass ungefragt Brot, Oliven, Butter etc. auf dem Tisch stehen und Starter wiederum auf dem Tablett präsentiert werden und man sich davon etwas aussuchen kann.

Kleine Garnelen, in Salz eingelegt; Bohnen im Teigmantel, schmackhafte Oliven… Da läuft einem schon das Wasser im Mund zusammen.
Gestern waren wir auch in einem amtlichen Fischrestaurant, dort sind Fischpreise nur in kg angegeben, man muss sich in einer Eis-Theke seinen Fisch aussuchen und lässt sich am Ende auf der Rechnung vom Preis überraschen … Uihuih – da wurden unsere Augen doch ein wenig größer am Ende :-) Aber es war sensationell lecker.

Der Kopf einer leckeren "Starter"-Garnele :-)

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